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Ein ungeplanter geplanter Kaiserschnitt {Antons versöhnende Geburt}

Ich möchte euch heute gerne von Antons Geburt berichten. Ungeschönt, voller Wahrheit und Emotionen!

Theo, mein erster Sohn, wurde per Notkaiserschnitt geboren, was für mich eine schlimme Erfahrung war und tatsächlich auch lange zu verarbeiten war. Nichts desto trotz war der Wunsch nach einem zweiten Kind groß und ich wurde wieder schwanger. Doch wie schon beim ersten Mal begann auch diese Schwangerschaft holprig. Ich stellte mich in der 6. SSW bei meiner Frauenärztin vor und bereits auf dem ersten Ultraschall war ein recht großes Hämatom sichtbar und es war noch ungewiss, ob die Schwangerschaft bestehen bleibt. In der 8. SSW bekam ich erste Blutungen, mir wurde ein Beschäftigungsverbot erteilt und ich musste liegen. In der 13. SSW war das Hämatom Tennisball groß und ich habe in einer Nacht so stark geblutet, dass ich dachte es wäre vorbei. Aber er blieb. Unser zweiter kleiner Junge. Das Hämatom blutete immer wieder, trotz der Schonung. Aber ab ca. der 25 SSW. wurde die Gebärmutter groß genug, um das Hämatom zu verdrängen, was wohl tatsächlich in den meisten Fällen ein klassischer Fall ist. Trotzdem musste ich mich weiter schonen, durfte die Couch für eine Aktion am Tag verlassen, sei es ein Spaziergang, ein Einkauf oder sonstige kleine Unternehmung. Und das alles mit meinem großen Jungen, der mit seinen 2 1/2 Jahren schon sehr feinfühlig war und verstanden hat, dass Mama gerade nicht so kann, wie sie gerne würde.

Ich hatte das Bedürfnis mich dieses mal mehr mit dem Thema Geburt und vor allem Geburt nach Kaiserschnitt auseinander zu setzten und so las ich das Buch „Meine Wunschgeburt“ von Ute Taschner (Werbung / unbezahlt). Aber je mehr ich gelesen habe, desto mehr Angst bekam ich. Was ist, wenn unter der Geburt wieder ein Notfall passiert? Wieder Vollnarkose wie bei Theos Geburt? Den ersten Schrei und die ersten Lebensstunden meines Babys verpassen? Das wollte ich nicht. Ich wollte diesmal selbst bestimmen, wie es abläuft. Und so habe ich mich, nach einem ausführlichen Gespräch mit meiner Hebamme, für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden und mich in meiner Wunschklinik, in der schon Theo zur Welt kam und ich übrigens auch arbeite, angemeldet und ganz genau besprochen, was mir wichtig ist für die bevorstehende Geburt, welche Erfahrungen ich gemacht habe und was meine Ängste sind. Der Termin für den Kaiserschnitt wurde auf den 22.11.16 festgesetzt, eine Woche vor dem errechneten Entbindungstermin. Das fühlte sich gut an, ich konnte entscheiden wie es läuft. Konnte sagen, was mir wichtig ist, ich war beruhigt.

Am 17.11.16 hatte ich die letzte Kontrolle bei meiner Frauenärztin. Auf dem CTG waren zwar schon ein paar Wehen zu sehen, aber Muttermund komplett verschlossen, Gebärmutterhals lang. Alles gut, wir sollten uns noch mal ein entspanntes Wochenende machen. Natürlich kam es anders ;-) Freitag Abend, 18.11.16, Theo war schon im Bett, mein Mann und ich saßen bereits gemütlich auf der Couch, fing es an komisch im Bauch zu ziehen, so wie sich Regelschmerzen anfühlen. Kommt und geht. Alle 7 Minuten. Schnell noch mal Google gefragt: wie erkenne ich Senkwehen? Unterschied zwischen Übungs- und Senkwehen? Ja, es werden wohl Senkwehen sein (Bei Theo hatte ich keine spürbaren Wehen, daher war ich nun verunsichert). Aber die kamen um 22 Uhr immer noch alle 7 Minuten, also habe ich vorsichtshalber meine Hebamme angerufen. Ihr Tipp: Ab in die Badewanne, wenns nicht besser wird in die Klinik, damit doch mal drauf geschaut wird. Ich wurde ein wenig ängstlich und nervös, wollte ich doch diesmal eine selbstbestimmte Geburt erleben. Die Wehen wurden natürlich nicht weniger und so sind wir um Mitternacht in die Klinik gefahren. Meine Eltern sind in der Zwischenzeit zu uns gekommen, um sich um Theo zu kümmern.

Eine unglaublich liebe Hebamme nahm uns an der Kreißsaaltür in Empfang, ich schilderte ihr kurz die Situation und sagte auch, dass ich ja eigentlich erst am Dienstag zum Kaiserschnitt herkommen wollte ;-) Und dann sagte sie die, für mich in dem Moment, allerschönsten Worte: „Komm rein, meine Liebe! Wir gucken jetzt erst einmal ganz in Ruhe! Wir haben alle Zeit der Welt, du bist die einzige Frau im Kreißsaal!“ Wie cool war das denn??!! Ab diesem Moment konnte ich mich entspannen und beruhigen. Nach einem kurzen Gespräch ging es ans CTG. Ich spürte die Wehen, das CTG zeigte aber nichts an. Die Ärztin dachte glaube ich auch schon, ich simuliere ;-) Der kleine Mann im Bauch war in der Zwischenzeit wieder eingeschlafen, seine Herztöne ruhig. Die Hebamme wollte aber lieber ein bisschen Action und ruckelte ordentlich an meinem Bauch, um ihn zu wecken. Sie wollte gleich wiederkommen, hatte aber noch gar nicht ganz den Raum verlassen, als ich merkte wie eine richtig fiese Wehe kam und zack: Fruchtblase geplatzt! Nun ging es also los, die Wehen waren nicht mehr witzig und dass ich bei jeder Wehe munter Fruchtwasser im Kreißsaal verteilte, während ich ins Untersuchungszimmer zum Ultraschall gehen sollte, war mir schon völlig egal. Dem Baby ging es nach wie vor prächtig und in aller Ruhe wurde nun der Kaiserschnitt vorbereitet. Ich hatte nicht nur eine tolle Hebamme, sondern auch eine ganz liebe Ärztin und ein unglaublich nettes OP Team! Alles verlief ruhig und stressfrei. Anton schrie schon, als sie gerade den Bauch aufgemacht hatten und wurde am 19.11.16 um 2.58 Uhr geboren. Nach kurzer Untersuchung beim Kinderarzt hatte ich ihn für den Rest der OP bei mir auf der Brust und auch danach konnten wir in aller Ruhe im Kreißsaal ankommen.

Diese Geburt war für mich so wunderschön und ich kann sagen, dass der zweite Kaiserschnitt den ersten wieder gut gemacht hat. Meine Entscheidung für den Kaiserschnitt und gegen eine natürliche Geburt war in meinem Fall genau richtig. Ich habe mich auf mein Bauchgefühl verlassen können und bin Anton sehr dankbar, dass er sich selbst auf den Weg gemacht hat. Natürlich waren die Wehen schmerzhaft, genauso wie die Schmerzen nach dem Kaiserschnitt, aber das Gefühl, dass ich den Weg der Geburt genau so erleben durfte, ist ein unvergessliches Geschenk.

Wenn ihr in einer ähnlichen Situation seid, hört auf euer Gefühl! Redet mit eurem Partner und eurer Hebamme über eure Ängste und Wünsche, nehmt euch selbst ernst und wichtig!

Vielleicht habt ihr Fragen, oder möchtet etwas genauer erklärt haben?! Dann meldet euch gerne bei mir! Ich freue mich auf euch!

Auszüge aus diesem Text und weitere Kaiserschnitterfahrungen erscheinen im eBuch-Spezial „Kaiserschnitt-Mamas, so war es wirklich“ (Werbung / Verlinkung)